Kinder in Notsituationen aufnehmen

Die Bereitschaftspflege unterscheidet sich von anderen Pflegeformen dadurch, dass Kinder in Notsituationen nur übergangsweise in den Familien untergebracht sind – von wenigen Tagen bis zu mehreren Monaten.

Die Eltern der betroffenen Kinder sind drogenabhängig oder psychisch krank. Manche Jungen und Mädchen sind auch sexuell missbraucht oder geschlagen worden.

Dass eine Familie finanziell unabhängig und nicht auf die Pflegevergütung angewiesen ist, das ist Voraussetzung, um Kinder in Pflege zu nehmen. „Die Familien haben in der Regel nicht zwölf Monate im Jahr Kinder zur Pflege. Es ist wichtig, dass sie zwischen verschiedenen Fällen auch Pausen machen, um sich innerlich auch wirklich von den Kindern verabschieden zu können. In dieser Zeit müssen die Familien ein konstantes Einkommen haben“.

Eine weitere Bedingung für den Pflegedienst sei Erfahrung mit und Freude an Kindern, entweder im Beruf oder mit den eigenen Sprösslingen.

Während der Pflegezeit haben die Kinder Kontakt zu ihren Eltern.  In besonders problematischen Fällen werde der Kontakt zum Schutz der Kinder aber unterbunden .

Wenn Kinder neu in Pflege kommen, dauert es etwa drei bis vier Monate, bis sie sich eingelebt haben. Sie sind am Anfang oft sehr angepasst. Danach tauen die Kinder auf und zeigen ihr wahres Verhalten, werden zum Beispiel weinerlich oder aggressiv. Ihnen fehlt das Grundvertrauen, dass man es gut mit ihnen meint.“ Viele Jungen und Mädchen hätten auch eine gestörte Körperwahrnehmung und verletzten sich ständig. Andere bräuchten im Alter von sechs Jahren noch Windeln. Sehr wichtig für diese Kinder seien klar strukturierte Tagesabläufe: Zähneputzen, Gesicht eincremen mit „Punkt, Punkt, Komma, Strich“ und danach eine Gute-Nacht-Geschichte. Manche Kinder kennen keine feste Nahrung und müssen mühsam lernen normal zu essen.